Barrierefreiheit im Web – Warum ist das so wichtig?

Barrierefreiheit im Web – Warum ist das so wichtig?

23. August, 2025
Grafik für Barrierefreiheit

Barrierefreiheit im Web – Warum ist das so wichtig?

Digitale Barrierefreiheit bedeutet, dass Websites, Webshops und Apps für alle Menschen nutzbar sind – unabhängig von Behinderung, Alter, Gerät oder Situation. Eine barrierefreie Website steigert Reichweite, Conversion und Kundenzufriedenheit, reduziert Abbrüche und Supportkosten und bringt klare SEO-Vorteile: saubere Semantik, aussagekräftige Alternativtexte, logische Überschriftenstruktur und schnellere Ladezeiten zahlen direkt auf bessere Rankings ein. Für viele Organisationen in Deutschland ist Barrierefreiheit zudem eine rechtliche Pflicht – und damit ein Thema für Geschäftsführung, Produkt, Design, Redaktion und Entwicklung gleichermaßen.

Was genau umfasst „digitale Barrierefreiheit“?

Im Kern orientiert sich Barrierefreiheit an WCAG 2.1 (wahrnehmbar, bedienbar, verständlich, robust) und wird in Europa über die EN 301 549 konkretisiert. Diese harmonisierte Norm beschreibt Anforderungen an Inhalte, Komponenten und Interaktionen und dient öffentlichen Stellen als Nachweis der Konformität. In Deutschland verweist die BITV 2.0 auf diese Norm: Sie definiert nicht mehr jeden Detailpunkt selbst, sondern knüpft an die im EU-Amtsblatt bekanntgemachten Fassungen der EN 301 549 an. Für die Praxis heißt das: Wer nach EN 301 549/WCAG entwickelt, schafft die Grundlage für eine barrierefreie Website oder App – inklusive sauberer HTML-Semantik, Tastaturbedienbarkeit, korrektem Fokusmanagement, ausreichend Kontrastverhältnissen, Alt-Texten für Bilder, zugänglichen Formular-Labels und robuster ARIA-Nutzung nur dort, wo sie semantische Lücken schließt.

Für wen ist das in Deutschland relevant – und seit wann?

Öffentliche Stellen (Bund, Länder, Kommunen, Hochschulen u. a.) müssen ihre digitalen Angebote gemäß EU-Richtlinie 2016/2102 barrierefrei bereitstellen. Die Fristen liefen gestaffelt: neue Websites seit dem 23. September 2019, alle bestehenden Websites seit dem 23. September 2020, mobile Apps seit dem 23. Juni 2021. Zusätzlich sind eine Barrierefreiheitserklärung und ein Feedback-Mechanismus verpflichtend.

Unternehmen: Mit dem Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) gilt seit 28. Juni 2025 für viele produkte- und verbrauchernahe digitale Dienstleistungen eine Barrierefreiheits-Pflicht – dazu zählen u. a. E-Commerce, Bank- und Telefondienste, E-Books, Personenverkehrs-Apps sowie diverse Selbstbedienungsterminals. Hersteller, Händler und Importeure der erfassten Produkte sowie Anbieter der genannten Services sind betroffen; Kleinstunternehmen, die Dienstleistungen erbringen, sind teilweise ausgenommen. Prüfen Sie daher frühzeitig, ob Ihr Angebot unter den Anwendungsbereich fällt.

Wie entsteht eine barrierefreie Website oder App?

Barrierefreiheit beginnt im Design (Kontrast, Typografie, Fokus-States, responsives Verhalten) und setzt sich in Inhalt & Redaktion (klare Sprache, verständliche Linktexte, Alternativtexte, aussagekräftige Fehlermeldungen) und in der Entwicklung fort. Entwickler:innen setzen auf valide Semantik (korrekte Überschriften-Hierarchie, Tabellen mit Header-Zellen, Landmark-Regionen wie header, nav, main, footer), stellen vollständige Tastaturbedienbarkeit sicher (sichtbarer Fokus, sinnvolle Tab-Reihenfolge, keine Keyboard-Traps) und achten auf robuste Komponenten (Dialoge, Akkordeons, Tabs, Modale) mit sauberer ARIA-Beschriftung. Medien werden mit Untertiteln/Transkripten versehen, Animationen sind pausierbar, und Inhalte bleiben bei 200 % Zoom oder Reflow nutzbar – alles zentrale WCAG-/EN 301 549-Anforderungen.

Technisch wird Qualität über automatisierte Prüfungen (z. B. Lighthouse, axe) und manuelle Tests abgesichert: Tastatur-Rundgänge, Screenreader-Checks (NVDA/Firefox, JAWS/Chromium, VoiceOver/Safari) und realistische Nutzungsszenarien in Checkout, Login, Suche. Öffentliche Stellen ergänzen dies durch die laufende Pflege von Barrierefreiheitserklärung und Feedback-Mechanismus, um gemeldete Barrieren nachvollziehbar zu beheben.

Wie optimiert man bestehende Angebote?

Wer bereits live ist, erreicht schnelle Effekte mit einem gezielten Audit der wichtigsten Templates und Flows. Typische Hebel: Kontraste anheben, Fokus-Styles sichtbar machen, Alt-Texte ergänzen (dekorative Bilder mit alt="" markieren), Formulare korrekt labeln und Fehlermeldungen verbessern, Sprache per lang-Attri­but setzen, Heading-Strukturen korrigieren. Danach lohnt sich der Blick auf Komponenten-Bibliothek/Design-System: Wenn Buttons, Formularelemente, Dialoge oder Navigationsmuster zentral barrierefrei gehärtet sind, skaliert Barrierefreiheit in allen Produkten – insbesondere in E-Commerce-Systemen mit vielen wiederverwendeten Bausteinen. Ergänzend sorgen CI-Checks bei jedem Merge für weniger Regressionen, und ein kurzer Screenreader-Smoke-Test pro Release hält reale Nutzbarkeit im Fokus.

Warum sich das wirtschaftlich rechnet

Barrierefreiheit ist Kundenerlebnis- und Umsatzthema: bessere Usability, geringere Abbruchraten, mehr Vertrauen – und sie stärkt SEO durch strukturierte Inhalte, klare Semantik und bessere Performance. Gleichzeitig reduziert ein robustes, barrierefreies Frontend langfristige Wartungs- und Supportkosten. Nicht zuletzt minimieren Sie Rechts- und Reputationsrisiken, indem Sie regulatorische Anforderungen proaktiv erfüllen – im öffentlichen Bereich nach BITV 2.0/EN 301 549, im privaten Sektor nach BFSG.


Fazit: Barrierefreiheit im Web ist kein „Nice to have“, sondern ein Wettbewerbsvorteil und für viele Organisationen in Deutschland Pflicht. Wenn Sie jetzt in digitale Barrierefreiheit, WCAG-/EN 301 549-Konformität und ein barrierefreies Design-System investieren, verbessern Sie Nutzererlebnis und Sichtbarkeit – und machen Ihre barrierefreie Website oder barrierefreie App fit für Wachstum und Compliance.

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